Newsletter AgADE21 Nr. 1/2025

Sehr verehrte Vereinsmitglieder!

AGADE21 - Jetzt reicht's! Zwei Gleise sind genug!


Die ersten atemberaubenden Monate des neuen Jahres sind Geschichte. Der vorverlegte Bundestagswahlkampf und die dazugehörige Bundestagswahl sind vorüber. Der Bundeswahlkampf hat in seiner diesjährigen Form auch uns tüchtig in Atem gehalten.

Wir haben für unsere betreffenden Wahlkreise (Heidekreis, Harburg, Lüneburg und Uelzen-Celle) 30 angetretene Kandidatinnen und Kandidaten der relevanten Parteien (insgesamt 9) angeschrieben und sie auf unser Thema, des Ausbaus der Bahnbestandsstrecke von Hamburg nach Hannover aufmerksam gemacht.

Mit einem für alle gleichgestalteten Anschreiben haben wir dargelegt, dass der von Seiten des Dialogforums Schiene Nord (DSN) favorisierte Ausbau der Bahntrasse alles andere als ausgereift ist.

Sie als Mitglied von AgADE wissen seit langem, dass weder die zu erwartenden Kosten für den Ausbau in einem relevanten Rahmen noch das erwartbare Leistungsniveau einer dreigleisigen Strecke bzgl. der verkehrenden Züge (Güter- wie Personenverkehr) ausreichend sind.

Die unserem Verein angehörenden Mitglieder und darüber hinaus interessierten Anwohner in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen müssen feststellen, dass in den zurückliegenden 10 Jahren nicht wirklich viel an der Bahntrasse passiert ist.

Ja tatsächlich, unser Verein ist im 10. Jahr (plus die BI-Zeit) und wird im kommenden das zehnjährige Jubiläum feiern.

Rückblickend hat es fast den Anschein, dass die Argumente beiderseits (pro wie contra) ausgetauscht sind und man lediglich auf die endgültige Entscheidung der Bundesregierung wartet, um die nächsten Schritte gegen eben eine solche Entscheidung einzuleiten.

Am Montag, 10.03.2025, haben wir eine öffentliche Sitzung der Mobilitätsausschüsse von Stadt und Landkreis Lüneburg besucht, deren herausragender Tagesordnungspunkt die Darstellung der geplanten Baumaßnahmen an der Bestandsstrecke in den Jahren 2026
und 2029 war. Die Vertreter der InfraGO (Deutschen Bahn) stellten die besagten Bauplanungen bzw. -maßnahmen in einer mehr als 30-seitigen Powerpointpräsentation vor.

Diese Maßnahmen haben jedoch nichts mit den evtl. zu erwartenden Baumaßnahmen im Rahmen des sog. Alpha E Projektes zu tun!!!

Laut Herrn Hudaff, Deutsche Bahn, Leiter Technik Großprojekte ABS / NBS Hamburg – Hannover und zweiter Referent im Rahmen der Präsentation wartet die Deutsche Bahn bzgl. Alpha E seit 2022 auf eine konkrete Entscheidung seitens der Politik bzw. Bundesregierung, nachdem vor nunmehr 3 Jahren alle nötigen bauplanerischen Vorleistungen wie z.B. 29 verschiedene Streckenverläufe seitens der Bahn erledigt worden sind.

Die Einsicht, dass es nicht mit dem Ausbau der Bestandsstrecke getan ist, sondern eher die unsererseits favorisierte Variante entlang der BAB 7 die optimalste Trasse wäre, setzt sich derzeit in immer weiteren Teilen der Landes- (Niedersachsen wie Hamburg) und vor allem Bundespolitik weiter durch.

Fakt ist, dass:

  • die Bestandsstrecke von Hamburg nach Hannover (rund 163 km lang) die am meisten befahrene Bahnstrecke und der Verschleiß derart fortgeschritten ist, dass es der Generalsanierung ohne Wenn und Aber bedarf;
  • die Quote der pünktlich fahrenden Personenzüge ist auf dieser Strecke auf 56 % gesunken;
  • sollten Optimierungen und Erweiterungen bzgl. dieser Strecke unterbleiben, die bisherige Belastung von 147 % nach der Verkehrsprognose für 2040 auf 200 % steigen wird.

Klare Aussage von Herrn Hudaff diesbezüglich:

„Die Baumaßnahmen für 2026 und 2029 werden die Belastung ohne weitere Alternativstrecken gerade einmal um 5 % „lindern“ können.“

Somit wird es vom 01.05.2026 für 10 Wochen eine vorübergehende Vollsperrung der Bestandsstrecke geben. Dabei geht es um vorbereitende Arbeiten, die allerdings schon lange parallel in den Erhaltungsplanungen der Bahn enthalten sind. Unter dem Begriff Qualitätsoffensive wird
eine ergänzende Vorstufe zu der eigentlichen Sanierung bei der Bahn durchgeführt.

Der Bahnvorstand hat offenbar verstanden bzw. erkannt, dass „unsere“ Bahnstrecke derart verschlissen ist, dass zwar ein Generalsanierung dringend erforderlich ist, es aber mit den im Rahmen dieser Sanierung durchzuführenden Arbeiten allein nicht getan ist. Anders ausgedrückt, das vorgesehene Zeitfenster von 6 Monaten kann für die Generalsanierung nicht eingehalten werden.

Daher muss es im kommenden Jahr die erste Vollsperrung für die Arbeiten um die Errichtung und „Verkabelung“ von insgesamt vier neuen digitalgesteuerten Stellwerken in Deutsch Evern, Bienenbüttel und Bad Bevensen geben. Herzstück dieser Bauphase ist das Stellwerk in Uelzen. Das dortige Stellwerk ist 1965 in Betrieb genommen worden.

Das Deutsch Everner Stellwerk wurde laut Herrn Olligess, Projektleiter für die Qualitätsoffensive (2026) und erster Referent im Rahmen der Präsentation, 1964 errichtet.

Das herausfordernde Projekt der Generalsanierung, wie es im vergangenem Jahr (innerhalb von 5 Monaten) mit tollem Erfolg an der Riedtalbahn durchgeführt worden ist, wird an unserer Bestandsstrecke von Februar bis Juli 2029 durchgeführt werden. Es wird ein derart umfangreiches Bauvorhaben, das in seiner Dimension vielleicht erfassbarer wird, wenn man sich vergegenwärtig, dass zeitweise täglich bis zu 800 Bauarbeiter der verschiedenen Gewerke zeitgleich an der Trasse arbeiten werden und in der gesamten Bauphase 100 km Gleise (sog. Oberbau) und 70 Weichen erneuern werden.
Eine Maßnahme, die Zitat von Herrn Olligess: „…in früherer Manier der Bahn nicht in 10 Jahren zu bewältigen gewesen wäre.

Noch einmal zurück und zum Rahmen der öffentlich durchgeführten Sitzung der beiden Mobilitätsausschüsse von Stadt und Landkreis Lüneburg.

Letztlich, wie auch schon im Rahmen unserer 9. Jahreshauptversammlung, am 25.02.2025, festgestellt, sind unsere Forderungen einerseits und Argumente andererseits gegen den alleinigen Ausbau der Bestandsstrecke auf 3 Gleise nach wie vor aktuell.

Dies zeigten im Anschluss der Präsentation der InfraGO Teile der seitens der Mitglieder der Ausschüsse von Stadt und Landkreis Lüneburg gestellten Fragen.

Ein Beispiel:
„Warum lässt man die Bahntrasse durch den Lüneburger Bahnhof auf einen Flaschenhals zulaufen, der derzeit aus einer zweigleisigen Strecke in Richtung Süden besteht. Warum baut man nicht ein 3. Gleis und lässt den Verkehr “schnell“ ablaufen?“
Ich bin mir sicher, dass diese Frage inzwischen jedes unserer Vereinsmitglieder beantworten kann!

P.S.: Dieser Newsletter I/2025 versteht sich als vorgeschaltete Information, die der jüngsten Info-Veranstaltung in der Lüneburg Ritterakademie geschuldet ist.

Ein weiterer wird mit Blick auf unsere jüngste Jahreshauptversammlung und die diesjährigen Aktivitäten in Bälde folgen.

Mit herzlichen Grüßen
Klaus-Dieter Röschke

1.Vorsitzender

1 ESTW = Elektronisches Stellwerk, das mit modernster digitaler Technik betrieben und wie am Beispiel in Deutsch Evern ohne Personal betrieben werden kann

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